Samstag, 3. März 2012

Balkonromantik

Zugeklappte Stühle, für Gäste die niemals kommen,
leere Blumentöpfe in die sich schon wieder die Natur hineinwurzelt.
Künstlich gegrünte Bambusstengel als Hintergrund
für das hängende Schlaftuch aus Fallschirmseide, zum hineinfallen.

Betäubendes Rauschen des Flusses tief unten in der Schlucht,
kleine Menschenfische wuseln an gläsernen Korallen,
dazwischen Autos wie gefräßige Wale.

Hoch die schwarzen Vögel sehen ganz andere Dinge und dann schaut Hugin herüber. 
Unsere Hauskrähe sucht seit Tagen ihren Leckerbissen, aber vergebens.

Der gelbe Gartensessel, leer. 
Oft schau ich hin, um ihn zu füllen, mit einer optischen Täuschung vielleicht.
Dann sehe ich dich, kann dich aber nicht hören, verstehe nicht, was du mir sagst.
Der Fluß ist wohl zu laut.

Meine Kaffeetasse ist schon lange vertrocknet.
Bücherstapel vor mir, sollen mich bilden.
Kaum lese ich einen Satz, da wüten die Gedanken
und treten mit harten Füßen von innen an meine Stirn.
Ich muß sie festhalten, ihre Stimmen einfangen.
Kann kaum so schnell schreiben, wie sie mir durcheinanderreden. 
Das mußt du, und das auch noch …

Die Erde (Globus) hat der Sonne schon den Rücken gekehrt.
Sitze aber immer noch da,  ohne Hemd. 
Die Fische ziehen weiter, der nun ruhige Fluß läßt mich wieder Tauben flattern hören.
In Amerika haben sie viel mehr Kondensstreifen, sagen sie.

Dein lila Plastiksessel sitzt breit da und grinst mich an,
eine Zigarre genüßlich im Mundwinkel.
Recht so.

Als der Tag die Szene verläßt bemerken wir, daß der Abend längst seine Rolle spielt. 
Er hat unseren Applaus verdient.
Wiederholt denke ich an Dich in Indien,
wo die Nacht jetzt ihren Monolog hält. 

Schlaft gut ihr runden neugierigen Augen, ihr flatternden roten Haare,
schlaf gut, du Zimtmund und auch du Vanillehals.

Morgen küssen euch meine Fanfaren.


Weil ich nicht bin, in Indien

blau

Da ist kein Ohr mehr
und kein Durchblick,
Buntheit, die mich knebelt,
Vielfalt die auch dich täuscht.
Ich hab es gefunden, das süße Leben,
aber darf es nicht behalten,
es gehört mir nicht.

Die wenigen Inseln,
die wir besuchten
sind längst versunken.
Auf der wir wohnen
schwankt der Boden.

kraftlos in der Takelage
sage ich blau
und du sagst rot

deine Haare flattern
wie die Segel

Ein Vogel liegt im Sand

rot

Vögel im Schlafzimmer

dein Platz ist besetzt
von mir genommen, dein Polster

die Kunst am Fenster sagt rot
ich sage weiß
und lösche alle Farben

ein Schloß wollte ich bauen
eine Burg, ein Dorf
und wurde zum Weg,
Fels und Schlucht
Ist das nicht dumm?

Ich habe deinen Gesang im Ohr
auch wenn du selten singst
die Aura, mit der du schläfst
die auf dir liegt
kann ich nicht sehen
weil ich nicht bin
in Indien


Samstag, 5. März 2011

Dienstag, 6. Oktober 2009

Power On - Full Volume

PlastikGras PlastikBusch PlastikBlume
PlastikBaum am PlastikWeg
PlastikSand um PlastikStein
GummiKies

EisenFuß EisenStock
EisenHand am EisenGriff
EisenRumpf auf EisenBank

EisenKuh muht in voller Lautstärke
EisenHahn Kräht in voller Lautstärke

EisenHühner
picken PlastikSamen
picken PlastikKäfer
packen PlastikWürmer

GlasGedanken
drehen EisenKopf
drehen GlasAugen
dehnen GummiSehnen

EisenHund bellt in voller Lautstärke.

PlastikWolken Plastikhimmel.
Eisenrumpf auf EisenBeinen
EisenTritt auf GummiWeg
EisenSpur im PlastikSand

PlastikRegen im PlastikFrühling
PlastikHerz voll Plastiktrauer.

Freitag, 19. Juni 2009

Kaffeehausduftmarke

Wenn ich mit der Nase hören müsste

würde ich keine Silbe mehr verstehen.

Alle riechen durcheinander

Kaum hat man eine Stimme isoliert,

die flüsternd mit der Achsel spricht,

da bläst ein anderer mit seinem Mund

so lautstark rauchende Parolen in den Raum,

dass sie an den Wänden kleben bleiben,

wie lärmende Protestplakate.


Wenn ich mit der Nase hören müsste,

dann traute ich mich nicht aufs Klo,

denn kaum dass ich die Türe öffne

ertönt ein höllisches Inferno.

Der Nachhall Vieler die hier dröhnend

unter quälendem Gestöhne

ihre Existenz markierten.

Wie halten Hund und Katz das aus,

die ständig im Getöse wohnen?

...

Zeit

Was ist die Zeit?

Ist sie ein Ding?

Oder ein Geist?

Kann man die Zeit vielleicht begreifen?

Sie kommt und geht

von war nach wird

von nie nach jetzt

kann sie sich umgekehrt bewegen?

Ich habe sie,

dann wieder nicht

ich bin sie los

wo ist sie, wenn ich sie verliere?

Am Anfang lief ich ihr davon

dann lief sie neben mir im Schritt

jetzt hat sie mich längst überholt

ob sie am Ende auf mich wartet?

mit Blick nach vorn

stehe ich still

und tue nichts

da kommt sie mir rasant entgegen.

...

Die Zeit ist …

Die Zeit ist ein Lutschbonbon

anfangs süß

man kann nicht aufhören

sie zu lecken

dann immer dünner

und schärfer

bis sie vollends zergeht

und eine Lust auf mehr

hinterlässt.

Die Zeit ist ein Kopfsalat.

Anfangs knackig

erweicht sie in der Marinade

die über sie geschüttet wird

wie immer viel zu viel.

bis sie in der Toilette

verschwindet.

Die Zeit hat Haare

die nach und nach

der Wind davonträgt

bis sie völlig blank

mein Leben spiegelt

Die Zeit kommt im Zug

auf Schienen

zu spät.

Die Zeit ist dahin